Makerspaces als Treiber von Innovation und Erfolg im Handwerk: Eine explorative Analyse

Benedikt Tratt

2023

Zusammenfassung

Makerspaces haben sich in den letzten Jahren sowohl in städtischen als auch in ländlichen Regionen ausgebreitet. Während die bisherige Literatur vor allem das Potenzial dieser gemeinsam genutzten Werkstätten für private Nutzer, Hobbyisten oder akademische Einrichtungen herausgestellt hat, ist wenig darüber bekannt, in welchem Ausmaß und zu welchem Zweck Gründer, Selbständige und Unternehmen Makerspaces nutzen. Aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung sollten Makerspaces gerade für professionelle Handwerker eine interessante, flexible und kostengünstige Alternative zu einer eigenen Werkstatt darstellen. Die vorliegende Untersuchung soll daher einen ersten explorativen Überblick darüber zu geben, inwiefern Handwerksunternehmen von Makerspaces profitieren können.

Zu diesem Zweck wird zunächst eine systematische Kategorisierung der bayerischen Makerspacelandschaft vorgenommen. Es können grundsätzlich sechs unterschiedliche Typen von Makerspaces anhand ihres Angebots, ihrer Organisationsstruktur sowie ihrer Zielgruppe unterschieden werden: Private Werkstattvereine, öffentliche Kultureinrichtungen, Professionelle (Klein-)Unternehmerzentren, Atelier- und Kunsthandwerkergemeinschaften, FabLabs mit Gründungsfokus und Universitäre Innovations- und Gründerzentren. Für interessierte Betriebe ist es daher wichtig, sich im Vorfeld einer möglichen Nutzung intensiv mit den eigenen Erwartungen und Bedürfnissen auseinanderzusetzten, um sich im Anschluss für das am besten passende Makerspace-Modell zu entscheiden. Erst in einem zweiten darauffolgenden Auswahlschritt sollten Kriterien wie die geographische Lage des Makerspaces eine Rolle spielen, um zwischen verschiedenen Makerspaces der gewählten Kategorie auszuwählen.

Im zweiten Teil der vorliegenden Untersuchung wird im Rahmen einer quantitativen Erhebung der derzeitige Bekanntheits- und Nutzungsgrad von Makerspaces unter den bayerischen Handwerksbetrieben ermittelt. Es zeigt sich eine derzeit lediglich sehr geringe Nutzungsquote von rund 6 Prozent. Mehr als 40 Prozent der befragten Betriebe sind hingegen nicht einmal mit dem Begriff und Konzept eines Makerspaces vertraut. Die Nutzung erfolgt bislang insbesondere durch (sehr) kleine Betriebe, jüngere Betriebe und Betriebe mit jüngeren Geschäftsführern. Den größten Nutzen sehen die Befragten in einem flexiblen und kostengünstigen Zugang zu Maschinen. Weitere theoretische Potenziale von Makerspaces wie eine Verbesserung der Innovationskraft oder die Stärkung des beruflichen Netzwerks konnten in der Praxis dagegen kaum realisiert werden. Entsprechend steht die überwiegende Mehrheit der befragten Betriebe dem Potenzial der Nutzung von Makerspaces mit großer Skepsis gegenüber.

Um die Ursachen für diese Diskrepanz zwischen den theoretischen Potenzialen und der Wahrnehmung der Betriebe genauer zu erkunden und Voraussetzungen zu ergründen, unter denen eine Kooperation mit Makerspaces für Betriebe auch in der Realität als vorteilhaft und gewinnbringend wahrgenommen wird, wurden im Rahmen des letzten Teils der Studie qualitative Interviews mit Makerspacebetreibern und Nutzern aus dem Handwerksbereich geführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Makerspaces zwar die Hürden für die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit oder die Gründung eines Unternehmens deutlich senken, es jedoch schwierig ist, in einem Makerspace zu skalieren. Als Erfolgsfaktoren einer gewinnbringenden Nutzung wurden insbesondere eine einfache Zugänglichkeit mit flexiblem Nutzungsumfang sowie die technische und betriebswirtschaftliche Unterstützung vor Ort genannt. Letztere sollte einerseits durch sachkundiges Personal und andererseits über eine konstruktive Feedback- und Unterstützungskultur der Nutzer untereinander sowie die aktive Förderung von Wissensaustausch und Networking seitens des Makerspaces sichergestellt werden

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